4. Über unser Güstrow wurde schon viel geschrieben...

Infolge der gedankenlosen „Entsorgung“ von "nicht mehr benötigten" Aktenbeständen des aufgelösten Post- und Fernmeldeamtes Güstrow in der Wendezeit, fanden wir zufällig einen Schnellhefter mit der Aufschrift - "Postgeschichtliche  Aufzeichnungen" auf einem  Altpapiercontainer, in dem wir u.a. auch eine chronologische Darstellung der Geschichte unserer Heimatstadt Güstrow unter dem Stichwort

                         Der Ort Güstrow,
entdeckten.
Diese Aufzeichnungen früherer Berufskollegen, die wir um Angaben aus der jüngeren Zeit ergänzt haben, möchten wir hier anlässlich des 775. Stadtjubiläums vorstellen.

Die Aufzeichnungen über die Güstrower Stadtgeschichte und einiger Fakten über die Anfänge des Fernmeldewesens in Güstrow wurden wahrscheinlich zu Beginn der 1950er Jahre, dem Zeitpunkt der Gründung des Fernmeldeamtes Güstrow, zusammengetragen und während der Zeit zwischen 1950 und 1972 (1972 wurde das Post- u. Fernmeldeamt (PFA) aus den beiden bis dahin getrennt existierenden Ämtern Hauptpostamt (HPA) und Fernmeldeamt (FMA) gebildet) von der damaligen Leiterin des Amtszimmers beim Fernmeldeamt Güstrow, Frau Marie Charlotte Schmidt, in Wahrnehmung dienstlicher Pflichten zur Führung „Postgeschichtlicher Aufzeichnungen", die immer auch heimatgeschichtliche Entwicklungen berücksichtigen sollten, mit Unterstützung durch die Abteilungsleiter, ergänzt.

Da das Fernmeldewesen in Güstrow (anfangs als Teleghraphenwesen bezeichnet) mit Ausnahme der Jahre von 1854 bis zur Gründung des Kaiserreiches und der damit erfolgenden Eingliederung des Telegraphenwesens in das Postwesen um die Mitte 1870er Jahre bis 1950 immer Bestandteil des Postwesens war, sind bis dahin nur Aufzeichnungen über das Fernmeldewesen beim Postamt geführt worden. Wir können nur vermuten und halten es für sehr wahrscheinlich, dass der aufgefundene Text, der von vor 1950 stammt, durch Frau M. C. Schmidt aus der ursprünglichen Postchronik übernommen wurde.

Eine umfassende Chronik des Postwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart wird vermisst. Da bei den Ämtern stets nur eine Durchschrift der Aufzeichnungen verblieb und das Original jeweils an die Oberpostdirektion (OPD), Bezirksdirektion für das Post- und Fernmeldewesen (BPF)  bzw. Bezirksdirektion der Deutschen Post (BDP) ging und dort archiviert wurde, ist unbegreiflich, wie unverantwortlich das Archivgut in der Wendezeit von den neuen Entscheidungsträgern behandelt wurde.
Über die Auflösung und den Verbleib dieser Archivalien beim Post- u. Fernmeldeamt in der Wendezeit gibt es keine Protokolle. Bei einer Einrichtung wie der Post, deren Akkuratesse und Penibilität in verwaltungstechnischen Angelegenheiten außerhalb der Institution gelegentlich Ärger bereitete, von historisch Interessierten nicht zu begreifen.

An einer Chronik für das Postwesen soll nach Information der Güstrower Postler, Herr Emil Grützmacher, beteiligt gewesen sein. Wie unsere Nachforschungen ergaben, sollen von ihm Aufzeichnungen als Einzelblätter in Ordnern gesammelt worden sein. Eine Chronik in dieser Form ist bei den Nachfolgebetrieben der Deutschen Post der DDR, Deutsche Post AG oder Deutsche Telekom AG in Güstrow nicht vorhanden. Auch beim territorial nun zuständigen Postmuseum in Hamburg existieren diesbezüglich keine Unterlagen aus Güstrow oder Schwerin. Die ungeordnete Auflösung des Archivs der Bezirksdirektion der Deutschen Post (BDP) in Schwerin in der Wendezeit ermöglicht ebenfalls keine Darstellung der Gesamtgeschichte der Post in der Region Güstrow. In der Wendezeit sollen über die Flure der BDP die Akten umhergeweht sein.

Die derzeit ältesten in Güstrow vorhandenen Aufzeichnungen zum Postwesen stammen von
 Herrn Postrat Funk um 1935. In einer Chronik (roter Klemmhefter) mit dem Prägedruck „Chronik des Postamtes Güstrow“, die wir bei unseren Recherchen und mit Unterstützung des Postlers und Betriebsratsvorsitzenden in der Deutschen Post AG, NL-Filialen Güstrow, Herrn Manfred Hosch, fanden, befinden sich auch zahlreiche Zeitungsausschnitte mit Bildern und Texten zu zeitgeschichtlichen Ereignissen im Territorium und im Post- und Fernmeldewesen, dazu Eintragungen auf Schreibmaschinenseiten aus der Zeit zwischen 1972 und 1990. Geschrieben wurden die Texte ab 1972 teilweise mit den markanten Typen einer Schreibmaschine, die damals nur im Amtszimmer benutzt wurde, so dass wir davon ausgehen können, dass dies die zuletzt von Frau Sigrid Korsikowski, in ihrer Eigenschaft als Leiterin des Amtszimmers, geführte offizielle Chronik des Post- und Fernmeldeamtes ist, bzw. wesentliche Teile dieser offiziellen Chronik enthält.

Ohne die Aufbewahrung und Ergänzung der vermutlichen Auszüge aus einer älteren Postchronik, der Sammlung der Aufzeichnungen zur Geschichte des Fernmeldewesens über den langen Zeitraum von 20 Jahren von 1950 bis 1970 durch Frau Schmidt und den detaillierten, laufend ergänzenten Aufzeichnungen der langjährigen Abteilungsleiter „Technik“ bzw. "Technischen Dienstes" , Herrn Karl-August Brandt und Herrn Gernot Moeller, hätten wir eine Entwicklungsgeschichte des Fernmeldewesens in einer Studie "GÜSTROW UND DAS FERNMELDEWESEN" nicht zusammenstellen können.


Nachfolgende Angaben zur Stadtgeschichte Güstrows sind größtenteils postgeschichtlichen Aufzeichnungen des Postamtes, des Fernmeldeamtes und des Post- und Fernmeldeamtes entnommen. Weitere stadtbezogene 
Angaben entstammen dem im Heidberg Verlag Güstrow 2002 erschienenen Buch “775 Jahre Güstrow - In der Stadtchronik geblättert“, von Prof. Dr. Friedrich Lorenz.

Wir möchten an dieser Stelle auch das Zutun der oben genannten und anderer ungenannter Personen für die Sammlung und Aufbewahrung postgeschichtlicher Daten würdigen und ihnen dafür danken.

 

Mit diesem Video einer Werbefirma wird kompetent auf Sehenswürdigkeiten und andere Vorzüge Güstrows durch den örtlichen Tourismus-Verband aufmerksam gemacht.
 

Stadtgeschichtliche Aufzeichnungen aus Resten einer Güstrower Postchronik, die nach heutigen Erkenntnissen zumeist von dem Justizinspektor Walter Fiedler aus Güstrow an Hand aller erreichbarer Literatur über Güstrow und an Hand der Akten und Register des Ratsarchivs 1938 geschrieben und in einer Tageszeitung veröffentlicht.

 

 

1100

Güstrow muss schon um 1100 herum bestanden haben, da Bischof Otto in diesem Jahr gleich zwei Priester hierher entsandte. 

1219

wurde an der Stelle des jetzigen Schlosses inmitten
sumpfiger Wiesen die wendische Burg "Güstrowe" erbaut.
Sie war, von den Fürsten des Hauses Werle bewohnt,
die ihre alte Stammburg Werle zwischen Schwaan und Bützow nach und nach aufgegeben hatten. Der fürstlicher Wohnsitz  Güstrowe wurde bei einer Landesteilung errichtet, die Fürst Heinrich Borwin I. zwischen seinen Söhnen Heinrich Borwin II. und Nicolaus II. vornahm.
Heinrich Borwin II. erhielt den Landesteil Güstrow. (Nach einer urkundlich nicht belegten Nachricht)

1222

wurde Güstrow zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

1226

war  Güstrow noch ein armseliges wendisches Dorf.
Es wurde beschlossen, hieraus eine Stadt zu schaffen. Dies wurde von 1226 bis 1228 in die Tat umgesetzt. Anno 1226 stiftet Fürst Heinrich Borwin (Burwy) II. von Rostock (Enkel von Pribislaw und Heinrich dem Löwen) eine Collegiatskirche, den Güstrower Dom, dessen Bau im selben Jahre begonnen wurde.

1228

wurde Güstrow (am 01.11.1228) mit der Schwerin’schen Stadtverfassung bewidmet. Wahrscheinlich wurde schon in diesem Jahr der neugegründeten Stadt die Nutzung des Primers und der Heidberge  vom Landesherren überlassen. Vermutlich bestand zu dieser Zeit bereits eine Kornmühle am Mühlentor. In jener Zeit entstehen die noch heute erhaltene städtebauliche Struktur sowie eine Burg als Vorläufer des Schlosses.

1229

bis 1436 Residenz der Fürsten zu Werle.

1248

wurde von Herrn Nicolas zu Werle eine neue Verleihungsurkunde ausgestellt; sie wird als älteste vorhandene Urkunde im Güstrower Rathaus aufbewahrt.

1270

war Gottfried Wessel Bürgermeister von Güstrow.

1287

wurden die Mühlen am Mühlentor und die Gleviner Mühle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im gleichen Jahre verkaufte Herzog Heinrich zu Werle, der 1291 von seinen Söhnen erschlagen wurde, die Hälfte der Mühle am Mühlentor an das Kloster Doberan. Ein Jahr später ging die zweite Hälfte an der Mühle in den Besitz des Klosters über.

1290

war Güstrow schon über die Grenzen seiner ursprünglichen Umwallung herausgewachsen. 

1292

schenkte Herzog Nicolas II. der im Stift Halberstadt gelegenen Abtei Michaelstein die Gleviner Mühle. Vier Jahre später kam die Abtei in den Besitz des ganzen Dorfes Glevin. Vermutlich lag das Dorf in Höhe der ehemaligen Gaststätte Neuen Welt (später "Alte Mühle").

1293

kaufte die Stadt das Dorf Tobbezin, das vor dem Hageböck’schen Tore am Sumpfsee lag. Etwa um diese Zeit wurden zum Schutze der städtischen Besitzungen die Bülower Burg, die Glasewitzer Burg und die Gleviner Burg erbaut.

1305

wurden der Stadt Güstrow in einer noch vorhandenen Urkunde ihre am 01.11.1228 verliehenen Rechte vom Landesherren von neuem bestätigt.

1307

erhielt die Stadt Güstrow das Eigentum am Gutower See. Die darin gelegene Schöninsel blieb jedoch im Besitze des Domes, dem auch das Fischereirecht auf dem See zustand.

1308

stand bereits die Pfarrkirche, sie war dem Dom unterstellt. Im gleichen Jahre wurde die Heiligengeistkirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

1316

bis 1436, als die Stadt Güstrow mecklenburgisch wurde, war Güstrow Residenz der jüngeren Fürsten zu Wenden. 
1316 zog sich Herzog Nicolas II. in Güstrow, der an der furchtbaren unheilbaren Leprakrankheit litt, von der Regierung zurück. Auf dem jetzigen Königshorst zwischen den Heidbergen und Klueß, dem damaligen Fürstensitz Pustekow, lebte er noch einige Zeit und starb dann dort.

1323

kam das vor dem Gleviner Tor liegende Dorf Glevin einschließlich der Gleviner Mühle zum Güstrower Stadtgebiet.

1330

setzte aus Anlass der Verletzung einer Hostie in Güstrow heftige Judenverfolgung ein. Es kam zu mehreren Verbrennungen. Das gegen das Judentum erbitterte Volk zerstörte die jüdische Synagoge. Anstelle derselben wurde von dem Vermögen der Hingerichteten, sowie aus frommen Beiträgen zur Aufbewahrung der heiligen Hostie, die ,,Kapelle des heiligen Blutes" erbaut. Diese fand im Jahre 1503 bei dem großen Stadtbrande ihren Untergang. Die anno 1330 von den Juden durchstochene Hostie wurde gerettet und in die Domkirche gebracht, wo sie bis zur Reformation ein Gegenstand der abergläubischen Verehrung gewesen ist.

1359

war Dieterich Hasselow Bürgermeister in Güstrow.

1375

kaufte die Stadt das Dorf Glin.

1391

war Nicolaus Köselow Bürgermeister in Güstrow.

1418

bis 1789 hat die Familie Klevenow Güstrow insgesamt zwei Senatoren und fünf Bürgermeister gestellt.

1430

ungefähr - wurde die Gertrudenkapelle erbaut.(1938 Ahnenhalle)

1436

stirbt die Linie der Fürsten zu Werle aus.

1441

wurde die erste Schützenzunft von Güstrow erwähnt.

1442

erwarb die Stadt Güstrow vom Kloster in Doberan die Kornmühle am Mühlentor. Damals war Jacob Stewenhagen Bürgermeister von Güstrow. Etwa um diese Zeit kaufte die Stadt Klein Schwiesow und sechs Bauernhöfe in Siemitz. 

1445

ging die Walkmühle in Rosin in das Eigentum der Stadt Güstrow über.

1449

kaufte die Stadt das Gut Glasewitz.

1450

ungefähr -  wurde das Amt der Barbiere, Bader und Chirurgen gegründet.

1483

goss der Glockenschmied Castel aus Frankfurt am Main die Marienglocke des Güstrower Domes.

1484

war Johann Brockmann Bürgermeister in Güstrow.

1486

beurkundeten die Herzöge Magnus und Balthasar dem Rat der Stadt das Recht, dass ,,niemand Wein schenken solle als der vom Rat bestätigte jeweilige Inhaber des Ratskellers". Zum Teil haben sogar die Herzöge ihren Wein vom Rat bezogen.

1500

ungefähr - bestand bereits die Güstrower Bäckerzunft.

1503

28.06. Erster Stadtbrand. Vernichtung des Rathauses mit Archiv Pfarrkirche u. Heiligenblutskapelle - nur Burg, Dom, Gertrudenkapelle und einige Häuser am Ziegenmarkt bleiben erhalten.

1508

Zweiter Stadtbrand. Wiederum wurde Güstrow von großen Bränden heimgesucht, die fast die ganze Stadt zerstörten.Mit Hilfe der Stiftung eines vierzehntäglichen päpstlichen Ablasses wurde die Pfarrkirche wiedererbaut und geweiht. 

1508

Das Schneideramt wurde zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

1509

wurde das ehemals im späteren Klosterhof gelegene Franziskanerkloster gestiftet.

1512

wurde Güstrow wiederum von großen Bränden heimgesucht.

1520

wurde bereits die ,,Hollestrate" oder "Hullstrate" erwähnt. Am Berge wurde damals Markt für Schafe und Ziegen abgehalten. Diese Stelle hieß daher seinerzeit der Ziegenmarkt.
Von 1520 bis 1695 war Güstrow Residenz der jüngeren Linie des herzoglichen mecklenburgischen Hauses.

1525

wurde zum ersten Mal in Güstrow lutherisch gepredigt, hierdurch entstanden erhebliche Unruhen.

1527

bis 1603 lebte der für die Stadt Güstrow außerordentlich bedeutsame Herzog Ulrich, dessen Marmordenkmal (Ulrich Monument) sich heute im Altarraum des hiesigen Domes befindet. Es stellt den Herzog in betender Stellung dar.

1534

an 22.Dezember gelangte Herzog Albrecht VII.- der Schöne - in Güstrow zur Regierung. Seine Gemahlin war eine Tochter des Kurfürsten Joachims I. der Mark Brandenburg.

1540

bedrängte eine Anzahl Güstrower Bürger das von Bülow'sche Schloss im benachbarten Parum, weil sie mit dem Ritter von Bülow wegen der Befischung des Parumer Baches seit langer Zeit im Streit lagen und sich mit Gewalt ihr Recht nehmen wollten. (Ausführliche Beschreibung des Streites in "Mancherlei aus Mecklenburgs Vergangenheit und Gegenwart" von H.C.D. Stadinger, Selbstverlag des Verfassers, Lübsee 1894).
Im selben Jahre bestand bereits die Gesellenbruderschaft der Güstrower  Schneider.

1547

bis 1555 regierte Herzog Johann Albrecht I. in Güstrow. Seine Gemahlin war eine Tochter Herzog Albrechts von Preußen.

1550

ungefähr - verschwanden die St.-Jürgens-Kapelle  vor dem Mühlentor und das auf dem rechten Nebelufer gelegene Kirchlein von Alt-Güstrow. Im  gleichen Jahre vollendete der anno 1547 nach Güstrow berufene Dompropst Gerd Oemken das Werk der Reformation, indem er auf dem Landtage der mecklenburgischen Stände zu Sternberg die Abschaffung des Papsttums und die Aufhebung des Domkapitels und des Franziskanerklosters durchsetzte.

1552

ungefähr - fanden in Güstrow die ersten Theater-Vorstellungen statt. Die Darsteller waren ausschließlich Schüler der hiesigen Domschule. Die Vorstellungen wurden bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) beibehalten.

1553

bestand bereits die Güstrower Stadtschule. Sie lag am Markt (links an der Ecke, wenn man in die Hollstraße geht), hatte aber nur einen Schulmeister.
Ferner wurde das Güstrower Gymnasium, die sogenannte Domschule, errichtet.
Das Franziskaner-Kloster wurde säkularisiert.
Das städtische Niedergericht wurde errichtet. Dies war für die Bearbeitung der geringen Gerichtsangelegenheiten zuständig, während alle übrigen Sachen vor das fürstliche Hochgericht gehörten.

1555

ungefähr - wurde das im Jahre 1226 von dem Landesherrn gestiftete Collegiat (Domkirche) säkularisiert.
Im Jahre 1555 wurde zum ersten Mal die Ratsapotheke erwähnt.

1556

siedelte Herzog Ulrich vom Bützower Schloss über. Er übernahm die Regierung. Von diesem Zeitpunkt an setzte für Güstrow eine Glanzzeit ein. Herzog Ulrich war der bedeutsamste Fürst des Güstrower Landesteiles.

1557

brannte der Südteil des mittelalterlichen Schlosses bis auf den Grund nieder.

1558

im Februar beauftragte Herzog Ulrich den aus Schlesien stammenden Baumeister Franz Parr mit dem Wiederaufbau des abgebrannten Schlosses. Die erforderlichen Baugelder wurden von den Ämtern, Klostergütern und Städten aufgebracht. Der Bau des Südflügels dauerte von 1558 bis 1565. Seit dem Sommer 1560 wurde Franz Parr von seinem Bruder Christoph Parr in der Bauleitung unterstützt. Dieser erbaute vom Nordflügel des Schlosses bis zum Dom einen verdeckten überirdischen Gang.
Nach Vollendung des Südflügels und eines Teils des Westflügels des Schlosses reisten die Gebrüder Parr nach Schweden, um dort zu bauen.

1563

wurden die ersten Viehmärkte in Güstrow abgehalten.

1568

Die Domkirche, die jahrelang nicht mehr gereinigt worden war und als Wagenschauer und Lagerhaus gedient hatte, wurde für kirchliche Zwecke neugeweiht.

1573

Der Güstrower Schlossbau wurde durch den Baumeister Philipp Brandin aus Wismar fortgesetzt.
ließ die Herzogin Elisabeth die Heidberge mit Bäumen bepflanzen. Zu ihrem Gedächtnis wurde der bekannte Elisabeth-Stein in den Heidbergen errichtet.

1575

ließ Herzog Ulrich das Kenotaph im Dom für seinen Ahnherrn Heinrich Borwin II. errichten.

1577

wurde eine Schlagordnung für Roggen- und Gerstensaat vor den Toren der Stadt erlassen.

1579

wurde das Schulhaus am Domplatz erbaut (später war es Mädchenschule.)

1582

wurde den Güstrower Schustern eine Lohmühle gebaut, um die zum Ledergerben erforderliche Lohe selbst herstellen zu können.

1584

wurde in Güstrow der erste Torf gestochen.
Es wurde eine neue Polizeiordnung herausgegeben, durch welche die Blutrache, die also bis dahin des Öfteren vorgekommen sein muss, für Güstrow verboten wurde.
Die Zigeuner wurden für vogelfrei erklärt.

1585

wurde die älteste vorhandene Ansicht von Güstrow durch Vicke Schorler angefertigt. Von 1585 bis 1592 machte der Student Michael Frank Reisen durch Mecklenburg, durch die er auch Güstrow kennen lernte. In seiner anno 1880 gedruckten Reisebeschreibung sagt er bezüglich Güstrow unter anderem, dass die Häuser mit Schilf und Rohr gedeckt seien und dass neben der Schlossbrücke ein schöner fürstlicher Lustgarten hergerichtet sei. Der "Kniesenack" (wendisch = Fürstenbier) sei ein treffliches gutes Bier, es sei trübe wie Lehmjauche, aber ein gewaltiger Kopfreißer.

1586

Am 3. Dezember brannte der ganze noch mittelalterliche Nordflügel des Schlosses nieder, weil der Schlosshauptmann Gottschalk Berner bei einer Festlichkeit zu stark hatte einheizen lassen. Brandin hatte darauf den abgebrannten Nordflügel und den heute nicht mehr vorhandenen Ostflügel wiederaufgebaut. Die Südecke blieb offen, um einen freien Blick auf die als Orangerie angelegten Gärten zu haben.
der Primer ging gegen Abtretung der Wiesen und Plätze vor dem herzoglichen Schloss bis zur Domwiese, in das volle Eigentum der Stadt über. Der Herzog wollte auf dem Gelände vor dem Schloss einen Tiergarten anlegen lassen.

1595

aus diesem Jahre stammt das älteste  vorhandene Amtsbuch der Güstrower Bäcker.

1601

wurde an der Stelle des jetzigen Stadtarchivs die "Neue Kanzlei" (das herzogliche Regierungsgebäude) erbaut.

1603

am 14. März gelangte Herzog Karl I. in Güstrow zur Regierung. In diesem Jahre starben rund 800 Menschen an der Pest.

1604

Herzog Karl lässt das Schloss renovieren.
übten Parumer Bauern einen Überfall auf Güstrower Stadtgebiet aus. Die sich hierauf beziehenden Akten befinden sich im Archiv.( Dort werden heute noch viele andere Akten aus jener Zeit aufbewahrt, so z. B. über Giftmischereien, Hexenprozesse, falsche Brandbriefe, usw. auch Hexenverbrennungen sind seinerzeit in Güstrow vorgekommen).

1606

 wurde der Grünwinkel noch Badstubenstraße genannt. In diesem Jahre gehörte das Haus Nummer 4 im Grünwinkel dem Ritter Johann von Bülow auf Zibühl, mit dem die Stadt lange in Fehde gelegen hat.
es wurde angeordnet, dass "gassenwärts  gelegene Kloaken zu bedecken seien".

1608

 wurde eine Wasserkunst auf dem Pferdemarkt errichtet.

1610

wurde das Amtssiegel der Güstrower Färber geschaffen und das älteste vorhandene Amtsbuch der Schwarz- und Schönfärber angelegt.

1613

aus diesem Jahre stammt die älteste vorhandene "Amtsrolle des Amtes der Schuster in Güstrow ". Die gesamte Amtslade war vorher "heimblich und dieblich abgestohlen worden".
1620

 

zwei Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges waren in Güstrow 607 Feuerstellen "im ganzen und halben Häusern und Buden" vorhanden.
"Feuerstellen" ist hier im Sinne von Wohnungen zu nehmen und die "ganzen und halben Häuser und Buden" als Klassifizierung der Wohnstätten.

1621

Aufteilung Mecklenburgs in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow (zweite Landesteilung).

1623

begann trotz der eingetretenen heftigen Religionsstreitigkeiten der Herzog Hans Albrecht mit dem Bau einer reformierten Kirche in Güstrow. 
Durch die furchtbar auftretende Pest wurde der Bau jedoch unterbrochen. Kurz vor der geplanten Einweihung ließ Wallenstein 1628 die Kirche zerstören und das Material zum Ausbau des Schlosses verwenden.

1627

Am 30. August erteilte der Kaiserliche Generalissimus Wallenstein in Dömitz einen Schutzbrief für die Stadt Güstrow. Sie wurde daher von seinen, das Land überflutenden Truppen geschont. Bald darauf widerrief Wallenstein diesen Schutzbrief und Güstrow musste fortan schwerste Kriegslasten tragen und hatte dauernd kaiserliche Truppen als Besatzung.

1628

am 2. April mussten die mecklenburgischen Stände in Güstrow ihrem neuen Landesherren Wallenstein, dem der Kaiser in Wien das Land Mecklenburg als Entschädigung für die ungeheuren Kriegskosten gegeben hatte, huldigen, obwohl der regierende Herzog Hans Albrecht  noch im Güstrower Schloss weilte. Die Huldigung ging im Rathause vor sich. Während derselben hielten kaiserliche Truppen die vier Stadttore, den Marktplatz und den Pferdemarkt stark besetzt, weil Wallenstein bewaffnete Zusammenstöße befürchtete. Nach erfolgter Huldigung wurden die beiden mecklenburgischen Herzöge in Güstrow und Schwerin des Landes verwiesen.
Auf Befehl Wallensteins wurden regelmäßige Reitposten eingerichtet, die von Güstrow aus nach allen Richtungen ins Land gingen. In Güstrow (Grüner Winkel 4) befand sich damit die erste Postanstalt Mecklenburgs.
Als großer Jagdliebhaber ließ Wallenstein auf der Schöninsel ein Fasanengehege anlegen.
Am 27.Juli hielt Wallenstein seinen prunkvollen Einzug in Güstrow. Vorher hatte eine Zusammenkunft der mecklenburgischen Stände stattgefunden, in der diese versuchten, sich der Unterwerfung des neuen Landesherren zu entziehen. Sie gaben ihren Widerstand erst auf, als Wallenstein ihnen drohte, es würde in Güstrow kein Stein auf dem anderen bleiben.

1629

Auf Befehl Wallensteins, der am 27. Juli 1628 als Herzog von Mecklenburg das Schloss bezogen hatte, wird die "Neue Kanzlei" abgebrochen (Standort des jetzigen Museums und des Stadtarchivs). Wallenstein ließ die offen gelassene Südecke des Schlosses zubauen, so dass das Schloss nunmehr ein vollständiges Viereck bildete.
Im April empfing Wallenstein den kaiserlichen Feldherrn Tilly im Güstrower Schloss. Am 23. April verließ er für immer Güstrow. Er wurde 1630 vom Kaiser seiner Ämter enthoben, zog sich alsdann auf seine riesigen böhmischen Besitzungen zurück, stellte, als König Gustav von Schweden gegen die Kaiserlichen Sieg auf Sieg errang, ein neues Privatheer auf, fiel dann wiederum beim Kaiser in Ungnade und wurde 1634 in Eger ermordet.
herrschte in Güstrow eine große Lebensmittelteuerung. Das große Peststerben währte drei Wochen lang, die Güstrow'sche Bevölkerung nahm erschrecklich ab. In diesem Jahre wurde die "auf dem Paradies" gelegene Walkmühle, eine alte Mauermühle, erneuert, die für das Tuchmachergewerbe benötigt wurde. Vermutlich ist diese Mühle in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges untergegangen.

1630

ungefähr- sind wahrscheinlich in den Kriegswirren die vor Güstrow gelegenen Dörfer Glin, Tobbezin und Glevin zerstört worden.

1631

 Nach Wallensteins Sturz zog der geflüchtete Herzog Hans Albrecht am 22. Juni wieder in Güstrow ein, nachdem er zuvor von dem persönlich in Güstrow anwesenden Schwedenkönig Gustav Adolf als Landesherr wieder eingesetzt worden war. Der von Wallenstein erbaute bzw. begonnene Teil der Südostecke des Schlosses wurde wieder abgebrochen. Von Wallenstein geschaffene Einrichtungen wurden beseitigt.
Die Stadt Güstrow musste mit Sternberg zusammen die Verpflegung der großen Bützower Besatzung übernehmen. Der Rat der Stadt klagte gegenüber dem Landesherren über allzu große Schuldenlast.

1637

berichtete der Güstrower Superintendent Baumeister dem Herzog Adolf Friedrich Einzelheiten über die Gräueltaten der Soldateska während des Dreißigjährigen Krieges.

1638

beklagten sich die Güstrower Landstände beim Herzog über schwerste Misshandlungen, Plünderungen und furchtbare Quälereien seitens der schwedischen Truppen.

1643

wurde am Mühlentor eine Papiermühle erbaut.

1644

lebten im herzoglichen Amt Güstrow von ehemals 414 Bauern nur noch 131.

1648

als im Jahre 1648 durch den Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, war die Stadt Güstrow gleich dem ganzen mecklenburgischen Land stark gezeichnet und um Jahrhunderte  im Wohlstand zurückgeworfen.

1653

 fertigte Merian einen Kupferstich von Güstrow an, auf dem die vier Stadttore, nämlich das Gleviner Tor, das Mühlentor, das Schnoien Tor und das Hageböcker Tor, die sämtlich große starke Doppeltore gewesen sind, genau zu erkennen sind.

1654

 erhielten die bisherigen Knochenhauer ihre Amtsrolle.

1660

wurde das noch vorhandene Amtsbuch der Güstrower Schmiede angelegt.
Die Stadt hatte damals 2435 Einwohner.
Um diese Zeit und auch später wurde der von der Stadt Güstrow für die niedere Gerichtsbarkeit eingesetzte Gerichtstag in einer Bretterbude auf dem Marktplatz abgehalten.

1663

wurde die Lade der Schustergesellen angefertigt.
   

1664

am 19. März bestätigte Herzog Gustav Adolf in Güstrow das gegen die "Hexe" Tilsche Schellwegen aus Wustrow im Fischland wegen Zauberei ergangene Todesurteil.
Am 17. Mai wurde Tilsche Schellwegen in Güstrow vor dem Schnoien Tore  wegen "des abscheulichen Lasters der Zauberei" auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrand. Gleich ihr wurden in Mecklenburg viele Jahre hindurch zahlreiche Frauen "wegen Hexerei und Zauberei mit dem Feuer vom Leben zum Tode gebracht".

1670

ungefähr -wurde ein Armenhaus in Güstrow erbaut.

1674

ließ Herzog Gustav Adolf eine "Landesherrliche Post nach Hamburg" und eine Postverwaltungsstelle in Hamburg einrichten. Es entstanden dieserhalb erhebliche Streitigkeiten mit dem Hamburger Magistrat.

1676

kaufte das Amt der Schuster für 340 Gulden die vor dem Mühlentor gelegene städtische Papiermühle, da die alte Lohmühle baufällig geworden war.

1682

wurde die Schenkkanne des Maureramtes angefertigt.

1684

Am 23. September vermählte sich die Herzogin Marie von Güstrow mit Adolf Friedrich II., dem späteren Herzog von Mecklenburg-Strelitz.

1692

 starb Herzog Gustav Adolf auf dem Güstrower Schloss. Die Güstrower Herzogslinie erlosch durch seinen Tod. Um die Thronfolge entbrannte der bekannte Güstrower Erbfolgestreit zwischen der Schwerin’schen und Strelitz’schen Linie, in dessen Verlauf Güstrow von Truppen verschiedener Mächte besetzt wurde. Der Streit wurde durch den im Jahre 1701 abgeschlossenen Hamburger Erbvergleich beendet, durch den das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz gebildet wurde.

1695

Im Jahre 1695 wurde das Güstrower Postamt in Hamburg mit dem Schweriner Postamt in Hamburg vereinigt.

1698

wurde den Schlachtern vor dem Mühlentor ein Küter- oder Schlachthaus erbaut.

1701

Durch den Hamburger Erbvergleich entsteht neben Mecklenburg-Schwerin noch Mecklenburg-Strelitz (Dritte Landesteilung).

1704

ließ die Stadt vor dem Schnoien Tor unterhalb der Nebelbrücke, (etwa gegenüber dem jetzigen Standort des Typengebäudes der Telekom AG in der Hafenstraße 1 in Richtung Nebel gelegen) für die Tuchmacher eine neue Walkmühle erbauen.

1708

bis 1818 war Güstrow Sitz des herzoglichen Hof– und Landgerichts.

1712

bis zum Januar 1713 nahmen im Nordischen Krieg russische Truppen die Gleviner Mühle in Besitz. Es wurde über starkes Requirieren der fremden Soldateska Klage geführt, die nicht einmal Saatgut schonte. Güstrow nebst Umgebung hatte durch den Nordischen Krieg außerordentlich schwer zu leiden.
Waffenstillstandsverhandlungen während des Nordischen Krieges (1700 - 1721) in Güstrow.(Peter der Große Zar von Russland, Fürst Generalfeldmarschall Menschikow,  August der Starke König von Polen und Kurfürst von Sachsen und der schwedische General Steenbock)

1714

entstand zwischen dem Rat und der herzoglichen Regierung ein langwieriger Streit wegen der Reparatur des auf dem Pferdemarkt befindlichen altersschwachen Galgens.

1719

bis zu diesem Jahre war Güstrow, das seit 1695 keine Residenz mehr  hatte, Witwensitz der jüngeren Linie des herzoglich mecklenburgischen Hauses. Etwa um dies Zeit sollten auf dem Pferdemarkt zwei Deserteure hingerichtet werden. Sie wurden im letzten Augenblick an der Richtstätte begnadigt.

1724

wurde der silberne Domschatz des Güstrower Domes gestohlen.

1730

 ungefähr- standen in Güstrow noch 22 "Wieckhäuser" (zur Stadtseite offene Mauertürme).

1731

wurden in Güstrow die "Böhnhasenjagden" verboten. Mit "Böhnhasen" bezeichnete man damals die Schwarzarbeiter unter den Handwerkern. Auf sie wurde "Jagd gemacht" und ihnen ihr Handwerkszeug mit Gewalt abgenommen.

1733

kam es zwischen den beiden herzoglichen Brüdern Karl Leopold und Christian Ludwig, die beide vom Kaiser in Wien als mecklenburgische Herzöge abgesetzt waren und sich mit ihren Truppen bekriegten, in Güstrow zu blutigen Kämpfen.

1734

bis 1748 war Güstrow Sitz einer Justizkanzlei.

1738

wurde der silberne Willkomm des Mülleramtes angefertigt.

1748

hielt Herzog Christian Ludwig seinen prunkvollen Einzug in Güstrow. Abordnungen der Bürgerschaft ritten dem Fürsten bis Bülow entgegen. Ihm zu Ehren wurde die gesamte Stadt, die öffentlichen Gebäude und die "Wasserkunst auf dem Markte" in hervorragender Weise illustriert. Man bezeichnete dies als das größte Lichtfest von Güstrow.

1749

wurde die Güstrower Schützenbrüderschaft durch den Herzog bestätigt. Ihr Schießstand befand sich bei den Schildknecht’schen Gärten (beim heutigen Ortsteil Bauhof)

1760

ungefähr- hatte auch die Umgebung von Güstrow unter dem gewaltsamen Vorgehen preußischer Werber zu leiden.

1763

 bis 1837 war Güstrow Sitz eines Steuerkollegiums.

1770

bis 1771 waren infolge starker Kälte die Wasserräder der Mühlentormühle acht Tage lang eingefroren, so dass sie ihren Betrieb einstellen musste

1776

wurde über die Freischleuse am Mühlentor eine Sägemühle errichtet.

1780

befanden sich 46 Schneidermeister in Güstrow. Die Pfuscherei nahm überhand und führte zu dauernden Klagen beim Rat der Stadt.

1781

erfolgte die Gründung des Güstrower Wochenblattes, eines Vorläufers des 1817 gegründeten Güstrower gemeinnützigen Wochenblattes, aus dem sich in gerader Linie die frühere MTZ (Mecklenburgische Tageszeitung) entwickelt hat.

1784

wurde von Güstrow aus ein Falkentransport an den Kaiserlichen Hof in Wien vorgenommen.

1785

am 31. Oktober wurde Georg Friedrich Kersting in Güstrow geboren (Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Hollstraße). Der bekannte Maler der Romantik war Kämpfer im Lützow’schen Freikorps während der Befreiungskriege 1813 bis 1815. Kersting starb am 01.07.1847 in Meißen, wo er lange Jahre erfolgreich als Maler in der Porzellanmanufaktur tätig gewesen war.
wurde die noch vorhandene Ladnerbüchse der Güstrower Zimmerer angefertigt.

1786

hatte der Pächter der Gleviner Mühle, dem auch der Aalfang mit verpachtet war, 480 Pfund Aale an den Rat der Stadt zu liefern. Sie wurden an die Bürgermeister, an Küchenmeister, an die Ratsherren und an den Stadtsekretär verteilt.
Das „Glevin’sche Binnentor" wurde abgebrochen, weil „die dadurch behinderte Passage den Müller der Gleviner Mühle in seinem Gewerbe gestört hat".

1787

wurde in Güstrow eine Verordnung gegen die Bettelbriefe, die hier überhand nahmen, erlasst.

1792

wurde die Güstrower Bruderschaft der Schlachtergesellen ins Leben gerufen.

1794

bis 1795; der gesamte Ostflügel des Schlosses wird abgebrochen.

kam es in Güstrow infolge großer Teuerungen, die durch zu starke Lebensmittelausfuhr nach Frankreich usw. herbeigeführt worden waren, zur sogenannten Butterrevolution. Es kam zu schweren Auftritten der erregten Bevölkerung.

1797

erhielt das mittelalterliche Rathaus, über dessen Erbauungszeit sich nichts auffinden lässt, seine jetzige klassizistische Fassade.

1802

wurden in Güstrow 6542 Einwohner und 778 Häuser gezählt.

1804

traten die Schmiedegesellen in den Streik; es wurde ihnen daraufhin Verkürzung ihrer Arbeitszeit zugesichert.

1806

bis 1812 Besetzung Mecklenburgs durch Truppen Napoleons. Zur „Franzosenzeit“ hatte Güstrow unter starker Einquartierung und unter den damit verbundenen Unannehmlichkeiten schwer zu leiden. Es kam des öfteren zu schweren Zusammenstößen und Reibereien mit der feindlichen Besatzung. Der Dom wurde als Magazin der "Grand Armee" benutzt, desgleichen die Pfarrkirche. Der Gottesdienst musste daher in der Heiligengeistkirche abgehalten werden. Erst im Jahre 1808 wurde der Dom von den Franzosen geräumt, sie hatten nicht einmal die Särge der Toten verschont.
Am 3. November 1806 wurde beim Drosten von Bülow in Güstrow Seine Kaiserliche Hoheit der Großherzog von Cleve und Berg, ein Schwager Kaiser Napoleons I. von Frankreich, einquartiert. In kurzer Zeit mussten in Güstrow insgesamt rund 500 französische Offiziere, 9300 Gemeine und 10600 Pferde untergebracht und verpflegt werden. Die Stadt Güstrow glich einem riesigen Heerlager.Häufig mussten auch eine Anzahl "Ochsentreiber, die nach Thorn in Polen Ochsenherden zur “Großen Französischen Armee“ zu treiben hatten, untergebracht werden.
Am 11. Juli 1807 traf "Königlich Holländische Artillerie" hier ein, bald darauf auch "Königlich Bayrische Truppen". Schließlich wurde noch das "Königlich Spanische Infanterie-Regiment de Zamora" einquartiert. Oftmals weilten französische Generäle und andere hohe Offiziere quartierweise in Güstrow, darunter auch General Murat.

1807

verschwand auf dem Schweinsbrink in der Neuen Straße der Galgen, die damalige Hinrichtungsstätte in Güstrow.

1808

klagte der Pächter Friedrich Bahl von der Mühlentormühle dem Rate, dass ihm durchziehende französische Truppen 4 Pferde nebst Sielengeschirr gestohlen hätten.

1811

beklagte sich die Einwohnerschaft über zu starke Einquartierung.

1813

Güstrow ist Zentrum der Freiheitsbewegungen in Mecklenburg. Am 01. Mai - sammelten sich in Güstrow 600 Jäger zu Fuß und 600 Jäger zu Pferde zum Befreiungskampf gegen Napoleon. Sie wurden im Schloss untergebracht und vor ihrem Ausrücken im Dom geweiht. Nach siegreicher Heimkehr brachten sie ihre Fahnen in den Dom, wo sie sich noch heute befinden.

1814

musste die Gleviner Mühle vom 20. Januar bis 22. März ihren Betrieb einstellen, weil der Mühlenbach völlig vereist und durch Schneeverwehungen verschüttet war. Dem Mühlenpächter wurde daher eine Entschädigung von 150 Reichstalern gewährt.

1817

wurde das Güstrower Schloss, das wegen seiner starken Verwahrlosung gründlich überholt werden musste, zum Landarbeitshaus / Zwangsarbeitshaus (200 bis 600 Insassen) bestimmt.

1823

Bau der Justizkanzlei am Schlossplatz.

1825

ungefähr - schrieb Rektor Johann-Friedrich Besser vom hiesigen Gymnasium eine Güstrower Chronik. Er vertrat die Ansicht, dass das alte Güstrow auf dem rechten Ufer der Nebel, vor dem jetzigen Mühlentor, zu beiden Seiten des Rostocker Weges nach Suckow hin, gelegen habe.

1826

Am 09. Oktober wurde die hiesige Sparkasse errichtet.

1828

Am 12. Oktober  wurde das Güstrower Theater erbaut.
Lange Zeit vorher haben oftmals auswärtige Theatergruppen Vorstellungen in Sälen der Stadt gegeben.

1830

wurde unter dem Namen "Sonntagsschule" die erste Gewerbeschule in Güstrow eingerichtet. Der Unterricht wurde sonntags nachmittags erteilt.
Güstrow hatte damals 8882 Einwohner.1836

1836

wurde eine Eisengießerei und Maschinenfabrik in Güstrow (später van Tongel’sche Stahlwerke) gegründet.

1848

stand Güstrow im Mittelpunkt der Revolution. Es wurden hier mehrere Verfassungsreformversammlungen abgehalten.
Bis zu diesem Jahr befand sich auf dem Spaldingsplatz der Ackerhof des Ratsherrn Spalding.

1849

siedelte der plattdeutsche Dichter John Brinckman als Hilfslehrer der Realschule nach Güstrow über. Er starb im Jahre 1870 und liegt auf dem Güstrower Friedhof begraben. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass auch der plattdeutsche Dichter Fritz Reuter eine Zeitlang in Güstrow gewohnt hat.

1850

Am 13.05. wird die Bahnstrecke von Kleinen über Bützow nach Rostock und nach Güstrow nutzbar. Ein Bahnhofsgebäude ist in Güstrow noch nicht fertiggestellt.

1851

Das Gaswerk wird errichtet - es ist das erste in Mecklenburg. Die Baukosten beliefen sich auf 50 000 Taler Preußischer Courant. Im Jahre 1890 kaufte es die Stadt Güstrow zum Preis von 115 000 Mark.

1854

01.10. wird in der Baustraße (heute Haus Baustraße  3) die Großherzoglich Mecklenburgische Telegrafenstation in Betrieb genommen.

1858

wurde das Gymnasium (Domschule) erbaut.

1864

brannte die Gleviner Mühle mit Wohnhaus ab.
Die Eisenbahnstrecke Güstrow-Neubrandenburg wird am 11.11. in Betrieb genommen.

1865

wurde das vor dem Gerichtsgebäude stehende Denkmal zu Erinnerung an die in den Befreiungskriegen gefallenen Mecklenburger errichtet.
wird die Wollhalle (Woll-Lager-Haus) an der Stelle erbaut, an der heute das Kreishaus steht. (16000 Zentner Wolle wurden damals in Güstrow abgeliefert, nämlich 8000 Zentner im alten Magazin 4000 Zentner im Schauspielhaus und weitere 4000 Zentner in einem Pferdestall). Die Wollhalle wird im Winter als Festhalle genutzt (3000 Plätze). Am 12. März 1925 brennt die Halle ab.

1866

am 5. Juli - sollte das erste mecklenburgische Landesschützenfest in Güstrow gefeiert werden. Wegen des gegen Österreich ausgebrochenen Krieges wurde es auf den 10. Juli verschoben.
Das Oberpostamt wurde von der Langen Str. 41, durch Tausch mit dem Herrn Oberforstmeister von Storch in das „Storch’sche Haus“ (Domstr. 6) verlegt. Dieser Tausch ist in einem „Wohnungstauschbuch“ des Güstrower Stadtarchivs von 1866 nachweislich. Im ersten Güstrower Adressbuch von 1874 wird das Haus Domstr. 6 auch als Wohnsitz des Herrn Oberpostdirektors Georg Stoerzel benannt und als Eigentum der kaiserlichen Verwaltung ausgewiesen (Flurstücke 661 und 663). Besagter Herr von Storch wird im gleichen Adressbuch 1874 als Eigentümer des Flurstücks 571 Lange Straße 41 benannt. Oberpostdirektor Störzel ist seit 1866 der Amtsvorsteher des großherzoglichen und später (ab 1880 bis 1886) des Vereinigten kaiserlichen Post- und Telegrafenamtes in Güstrow. Danach werden Postdirektor Alexander Gagzow  und ab 1898 Postdirektor Willebrand jeweils Amtsvorsteher.

Anmerkung der Chronisten: Die Benennung des Sitzes des Postamtes in der Domstr. 16 zwischen 1866 und 1896 (Ira Koch, „Güstrow wie es früher war“ Wartberg Verlag 1993), kann von uns nicht bestätigt werden. Nachweislich ist der Sitz des Postamtes in der Domstr. 6 seit 1866. Mindestens ab 1874, und auch nach der Vereinigung mit dem Postwesen im Vereinigten Post- und Telegrafenamt im Jahre 1880, befindet sich hier auch der Standort des Staatstelegrafen.

   

1868

Nach einem Großbrand bei dem die Große Schulstraße und Teile des Grünen Winkels bis zur Domstraße niederbrannten, wurde das Haus Schlossstraße 6 am 17.10. aus dem MännertTurnVerein (MTV) die spätere Freiwillige Feuerwehr  gegründet.

1870

zogen auch Güstrower wehrfähige Männer zum Rhein, um das Vaterland gegen das französische Kaiserreich zu verteidigen. Die Namen der Gefallenen sind im Güstrower Dom auf einer mit damaligen Kriegsorden geschmückten Gedenktafel verzeichnet.

1874

zählte man in Güstrow 10 782 Einwohner

1875

hatte Güstrow  10 791  Einwohner

1876

bis 1905 hieß der Pferdemarkt  Schnoienstraße.

1878

wurde der Güstrower Kinder-Königschuss eingeführt.

1879

ging die Burg- und Domfreiheit zum Stadtrecht über, welche vorher zum herrschaftlichen Schloss und vormaligen Kollegialstift gehörte.

1880

hatte Güstrow 12 189 Einwohner.
1882

 

Die Eisenbahnstrecke Güstrow - Plau wird gebaut.
Ein Wasserwerk wird errichtet. Man entnahm das Wasser aus der Nebel und pumpte es auf den Hochbehälter in der Baustraße.
Das alte Amtsschwert der Güstrower Schuster wird nach Wismar verkauft. 3 Jahre später wurde auch das alte Gewerbeschild veräußert.

1883

Die erste Zuckerfabrik entsteht in Güstrow, sie kann zunächst 10 000 Zentner Zuckerrüben verarbeiten.
Die Fabrikhallen wurden mit elektrischen Bogenlich erhellt.

1885

hatte Güstrow 13 429 Einwohner.

1887

wurde die Güstrower Garnison errichtet. Das Militär wurde zunächst in der Schule in der Neuen Straße untergebracht.
01.10. wird die Eisenbahnverbindung Güstrow Schwaan fertiggestellt.

1889

Errichtung des Borwinbrunnens.

1891

wurde die Güstrower Artilleriekaserne erbaut.

1892

Inbetriebnahme einer Stadtfernsprecheinrichtung in Güstrow. Dazu nachstehende Veröffentlichung aus der Güstrower Zeitung vom 16.08.1892: Der vom hiesigen Magistrate früher beabsichtigte Anschluss mehrerer städtischer Gebäude, wie uns gesagt worden: des Rathauses, des Krankenhauses, des Schlachthauses und der Gasanstalt, an die jetzt vollendete Stadtfernsprecheinrichtung wurde bekanntlich seiner Zeit,wie von uns auch mitgeteilt worden, von unserem Bürgerausschusse als nicht erforderlich abgelehnt,

(Anmerkung der Chronisten: hierzu siehe Protokoll der Sitzung des Bürgerausschusses vom 28.06.1892) und trotz eines wiederholten aber veränderten Antrages des Magistrates und Beschränkung des Anschlusses auf das Rathaus und Krankenhaus zum geschäftlichen Betriebe glaubte unsere Bürgervertretung ihre Zustimmung zu der  Kostenbewilligung verweigern zu müssen. Nachdem nun seitens der  Postbehörde aus bester Intention geschaffene, in anderen Städten als großes  Bedürfnis, und wo sie besteht, als wesentliche Geschäftserleichterung empfundene Einrichtung fast bei uns vollendet ist und 29 Privathäuser von den Geschäftsinhabern hierselbst an dem Werke angeschlossen worden sind, hat der Magistrat nunmehr, wie wir erfahren, den Anschluss des Rathauses lediglich im Interesse des Feuerlöschwesens verfügt. Es werden 2 Sprechapparate im Polizeiwachzimmer und im Nachtwachzimmer aufgestellt und mit der Turmwärterwohnung und der neben dem Spritzenhause gelegenen Stadtbauschreiberwohnung verbunden, und auf der Post wird durch spezielles Entgegenkommen der Behörde eine besondere Einrichtung zu dem Zwecke
geschaffen, dass von allen städtischen Anschlüssen aus auch während der Nacht die Meldung über die Post zum Rathause und weiter zum Turm und Spritzenhause gelangen können. Wie uns mitgeteilt ist, soll mit den Besitzern der 29 Privatanschlüsse im Interesse der Sicherheit unserer Stadt auch dahin verhandelt werden, dass die betreffenden Häuser als Feuermeldestellen bezeichnet werden und jedem Wächter oder Privatmann sobald dieselben den Ausbruch eines Feuers bemerkt, die Veranlassung sofortiger Meldung zum Rathause gestattet wird. Die Kosten dieser städtischen Einrichtung, deren Herstellung die Postbehörde unentgeltlich beschafft, betragen pro Jahr 120 RM und werden, wenn wir recht berichtet sind, weil die Leitung lediglich in Feuerlösch-Interesse angelegt ist, aus der sogenannten Spezialbrandkasse getragen. Wir stimmen unsererseits der Auffassung völlig bei, dass ein einziger Löschfall die der Brandkasse entstehenden Kosten für lange Zeit ersetzten und eventuell noch große Ersparnisse zur Folge haben kann, und begrüßen die Errichtung daher mit Freuden als ein neues Sicherungsmittel unserer Stadt.
(Anmerkung der Chronisten: siehe auch Liste der ersten 29 Fernsprechteilnehmer weiter unten)

1893

wurde durch den Güstrower Handelsverein, eine kaufmännische Fortbildungsschule errichtet.
Das Schützenhaus wurde auf dem Schwalbenbrink erbaut.

1895

bis 1896 Bau des Kanals Bützow – Güstrow.

1896

Das neue Postamt wird 1896 fertiggestellt und bezogen. Im Anzeiger für Güstrow, Goldberg und Krakow vom 11.10.1896 Nr. 239 ist zu lesen: „...Ueber das neue Postgebäude können wir aus zuverlässiger Quelle einige nähere Angaben zur Orientierung des Publikums bringen. Das Gebäude enthält: im Erdgeschoß sämtliche Diensträume für den Postbetrieb , im Obergeschoß diejenigen für den Telegraphen- und Telephonbetrieb und die Dienstwohnung des Postamts-Vorstehers ,... Der Haupteingang des Publikums ist an der Ecke des Gebäudes im Thurm angeordnet. An demselben befindet sich zur rechten Hand ein elektrischer Glockenzug zur Benutzung für das Publikum bei Abgabe von Telegrammen außer den üblichen Schalterdienststunden an Sonn- und Feiertagen und des Nachts. Das neue Posthaus mit seinem schmucken Thurm ..., darf wohl mit Recht als eine Zierde der Stadt bezeichnet werden und gibt Zeugnis  von der Tüchtigkeit unserer Bauhandwerker, welche die Arbeiten am Gebäude mit wenigen Ausnahmen ausgeführt haben
(Anmerkung der Chronisten: Über den Turm wurden die Telegrafen- und Telefonleitungen bis 1929 in das Gebäude geleitet.)

Zuvor befand sich das Postamt ab 1866 in der Domstraße 6, davor ab 1831 in der Langen Straße 41. Im Hause Lange Straße 11 befand sich eine Posthalterei. Die erste mecklenburgische Postanstalt befand sich ab 1628 in der Straße „Grüner Winkel“ Nr. 4. in Güstrow. Diese Einrichtung wurde von Wallenstein gegründet und bestand nur kurze Zeit.)

1900

hatte Güstrow 16882 Einwohner.

1902

Am 10. September - wurde vom Großherzog Friedrich Franz IV. der  Grundstein zum Realgymnasium gelegt. Dieses Gebäude gehört heute zum John-Brinckman-Gymnasium.
Im selben Jahre wurde von Professor Beltz das auf der Mühlenweide in der Nähe der Verbindungschaussee gelegene Steingrab (eine in Abteilungen geteilte Steinkammer aus der Steinzeit) ausgegraben und untersucht. Die dort gemachten  wertvollen vorgeschichtlichen Funde befinden sich im hiesigen Museum. Einige Jahre später wurden auf der Gliner Heide steinzeitliche Wohnungen entdeckt. Auf der großen Bockhorst, auf der Mühlenweide und auf dem Schneiderberge fand man Geräte bzw. Splitter davon aus der Steinzeit. Aus der Bronzezeit wurden im Primer mehrere Kegelgräber festgestellt, von denen eines untersucht ist und sich heute noch im geöffneten Zustand befindet. Funde aus der Eisenzeit sind in Güstrow nicht gemacht worden, dagegen fand man Reste aus der Wendenzeit auf dem Schneiderberg bei Villa Maria.

1905

hatte Güstrow 17 163 Einwohner.

1906

 wurde der Güstrower Sportverein gegründet. 

1910

wurde die Siedlung Dettmannsdorf erbaut. Dettmann ist Mitinhaber der Fa. Böckmann & Co. in Güstrow. Dettmannsdorf ist die erste Arbeitersiedlung Mecklenburgs.
Ernst Barlach übersiedelt nach Güstrow und lebt hier bis zu seinem Tode 1938.
hatte Güstrow 17455 Einwohner.

1912

wurde der Zuckerfabrik eine Kartoffelflockenfabrik angegliedert, die in der Kampagne bis zu 80 000 Zentner Kartoffeln verarbeitet.
Güstrow wird in der Nacht vom 11. zum 12. Dezember an das Elektrizitätswerk angeschlossen.

1913

Telefonische(?) Feuermeldung wurde in Güstrow eingerichtet.

1914

Am 7. und 8. August rücken die Güstrower Truppen ins Feld.
Bei der mit der Mobilmachung eingerichteter Ersatzabteilung zogen insgesamt 95 Offiziere, 26 740 Unteroffiziere und Mannschaften und rund 6000 Pferde ins Feld. Groß ist die Anzahl der an allen Fronten des Weltkrieges gefallenen Güstrower Männer und Jugendlichen. Ihre Namen sind zum Gedächtnis auf großen Tafeln in Güstrower Kirchen verzeichnet.

1916

hatte Güstrow 20440 Einwohner.

1918

Kriegsende des I. Weltkrieges.

1919

wurden in Güstrow 19810 Einwohner gezählt.

1920

fanden anlässlich des Kapp-Putsches in Güstrow schwere Zusammenstöße statt, durch die 9 Einwohner getötet, 12 schwer und 26 leicht verletzt wurden.

1921

Im Mai wurden die letzten Kriegsgefangenen aus dem Lager Bockhorst entlassen. Das Lager diente bis 1923 als Flüchtlingsunterkunft.
Im gleichen Jahre wurde die Landwirtschaftliche Schule am Domplatz 16, dem wundervollen Renaissance-Bau, in dem sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges die Kanzlei Wallensteins befunden hat, eingerichtet.

1925

 wurden in Güstrow 19 084 Einwohner gezählt.

1928

wurde das Grundwasserwerk am Inselsee und der neue Wasserturm erbaut.
Die Stadt Güstrow feierte ihr 700-jähriges Bestehen.

1930

In der Nacht vom 28. auf den 29. August brannte das Gerichtsgebäude
Die Knabenvolksschule in der Hafenstraße wurde erbaut.

1933

30. Januar fand anlässlich der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Güstrow eine Großkundgebung statt.
wurden in Güstrow 22 464 Einwohner gezählt.

1934

wurde das Gebäude der Kreisverwaltung (damals Klosterhof 1) erweitert.

1935

18. Mai - wurde die Kongresshalle eingeweiht.

1936

wurde das Gebäude der Landesbauernschaft am Wall erbaut (inzwischen durch Vereinigung der Standorte ehemaliges Lyzeum, Hotel “Am Wall, Kaufmännische Berufsschule und Umbau für ca. 30 Millionen DM Sitz des Landkreises Güstrow.)
Die Kasernen in der Rostocker Straße werden erbaut.
Güstrow zählte 24 457 Einwohner.

1937

wurde die Gertrudenkapelle zur Ahnenhalle hergerichtet.
An der Goldberger - Chaussee, an der Schweriner - Chaussee und in Dettmannsdorf entstanden neue Stadtviertel.

1938

09.11. Die Synagoge im Krönchenhagen wurde durch die Nationalsozialisten niedergebrannt (Reichskristallnacht).

1939

1. September begann der II. Weltkrieg mit dem Überfall Deutschland auf Polen.

1941

22.Juni - Überfall auf die Sowjetunion.

1944

Errichtung der Lehrerbildungsanstalt (LBA) an der Goldberger Str. (später in der DDR Standort der Pädagogische Hochschule, nach der Wende Bildungsstätte des Innenministeriums).

1945

07. April - amerikanische Bomber zerstören das Heereszeugamt in Primerburg.
Güstrow wurde während der 5 ½ jährigen Dauer des Krieges 325 mal von englischen und amerikanischen Flugzeuggeschwadern überflogen.
352 Mal hat es in der Stadt Fliegeralarm gegeben.
2. Mai - Einzug von Truppen der Roten Armee in Güstrow. Die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee war das Ergebnis einer Kontaktaufnahme einer Gruppe mutiger Bürger zur Vermeidung der Zerstörung der Stadt, die unter Hauptmann a. D. Wilhelm Beltz und mit Unterstützung der Ukrainerin Slata Kriwussjowa gelungen ist. Es gab unzählige Übergriffe sowjetischer Soldaten auf die Zivilbevölkerung. Frauen und Mädchen werden vergewaltigt.
In der Stadt steigt die Anzahl der Bewohner von 28183 auf  35 446 Einwohner und Flüchtlinge an.
Am 20. Mai wird das Güstrower Theater mit einer Matinee als erstes in Mecklenburg wieder eröffnet.
10. Juni- genehmigt die „Sowjetische Militäradministration für Deutschland" (SAMD) die Gründung von antifaschistischen, demokratischen Parteien.

1946

21. April -Vereinigungsparteitag der SPD und KPD zur SED.
Am 20.10. finden die ersten Wahlen für den Land- und Kreistag statt. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die Christlich Soziale Union (CSU),die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) und Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) stehen zur Wahl. Die SED erhält im Land 49,5 % der Stimmen und bildet mit der VdgB die Regierung.
01.11.wurde der Schulbetrieb in Güstrow wieder aufgenommen.

1948

Juli, in Güstrow, wie auch in der gesamten sowjetischen Besatzungszone, wird die Währungsreform durchgeführt. Das Geld wird 1:10 abgewertet.
In Güstrow leben 39982 Einwohner.

1949

7. Oktober Gründung der "Deutschen Demokratischen Republik" (DDR). Die SMAD übertrug Wilhelm Pieck die Bildung einer Regierung. Staatspräsident wurde Wilhelm Pieck.
In Güstrow wohnen 40158 Einwohner

1950

1. Mai- zum ersten Mal nach Kriegsende veranstaltet der Rat der Stadt mit der „1. Mecklenburgischen Tierschau" eine große Ausstellung auf dem Industriegelände in Güstrow.
In Güstrow leben 41246 Einwohner.

1951

bis 1953 Restaurierung der Gertrudenkapelle und Eröffnung als Ernst-Barlach-Gedenkstätte.
September- der Pferdemarkt wird in einer Feierstunde in "Straße des Friedens" umbenannt.
12. bis 16. September 725-jähriges Domjubiläum.

1952

September- Verwaltungsreform; durch Umorganisation verändert sich das Kreisgebiet Güstrow, neue Kreise entstehen z. B. Bützow und Sternberg.

1953

8. März, Barlachs Güstrower Ehrenmal „Der Schwebende“ kehrt als Drittguss   und Schenkung der Kölner Antonitergemeinde in den Dom zurück.
Oktober- 725-Jahrfeier Güstrows.
1. November- Festumzug durch die Stadt „Das Handwerk im Wandel der Zeiten"
 Der Schlossplatz wird in Franz-Parr-Platz umbenannt.

1955

1. August, das Theater wird wegen eines großen Umbaus für längere Zeit  geschlossen. Veranstaltungen finden im Kulturhaus des MTS-Lehrkombinats Bockhorst, ab 14.11. im großen Saal des Hotel „Stadt Güstrow" statt.

1957

1. September - Wiedereröffnung des Theaters nach mehrjährigem Umbau. Das Innere des Hauses wurde modernisiert. Außen wurde der Bau nur wenig verändert. Das Theater erhält den Namen „Ernst-Barlach-Theater".
Die Eröffnung des Hauses begann mit der Aufführung von „Don Carlos" von Schiller.

1958

wird mit dem Bau des Neubaugebietes „Südstadt" begonnen. (Bis 1985 entstehen für ca. 15 000 Bürger Wohnungen).
In Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften organisiert, leisten die Arbeiter und Angestellten einen großen Anteil an den AWG-Wohnungen durch Selbsthilfe.

1959

Eröffnung des Tierparks als Heimattierpark. 1991 Beschluss zur Erweiterung zu einem Natur- und Umweltpark.

1963

bis 1980 Restaurierung des Renaissanceschlosses und Neuanlage des Renaissancegartens.

1968

Vom 31.7. -5.8. finden die Weltmeisterschaften im Angelsport in Güstrow im Niklotstadion statt.

1974

bis 1978 werden der Pferdemarkt und Teile des Marktes zum Fußgängerbereich umgestaltet.

1978

750-Jahrfeier der Stadt
Eröffnung des Atelierhauses als Gedenkstätte für Ernst Barlach.

1981

Am 13. Dezember besuchen Helmut Schmidt, Bundeskanzler der BRD, und Erich Honecker, Vorsitzender des Staatrates der DDR, gemeinsam die Stadt Güstrow. Die Bewohner der Innenstadt dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. Die „Besucher" des Weihnachtsmarktes sind wenige ausgewählte Güstrower und viele „Gäste" die organisiert herbeigefahren wurden. In Güstrow wimmelt es von Mitarbeitern der Stasi.

1985

Von Juni 1984 bis September 1989 werden in den drei Nordbezirken 22 Haupt- und Nebenstrecken der Reichsbahn elektrifiziert.

1986

Das Heizwerk in Güstrow - Rövertannen nimmt seinen Betrieb auf.

1989

27. Oktober-20000 Güstrower beteiligen sich an einer Demonstration. Sie protestieren gegen die Politik der Regierung. Die Parole „Wir sind das Volk" hallt durch die Straßen.

1990

Am 06. Mai - erste freien Wahlen zur Volkskammer seit 1946.

1991

Die Pädagogische Hochschule wird geschlossen.
Die Mauer um das ehemalige sowjetische Lazarett „Am Wall" in Güstrow fällt.
Güstrow wird Modellstadt für Altstadtsanierung.

1992

Güstrow wird Modell für eine „umweltgerechte Stadt"

1994

Durch Zusammenschluss der Kreise Güstrow, Teterow und Bützow entsteht der Großkreis Güstrow mit 118 615 Bewohnern. Güstrow bleibt Kreisstadt (36 500 Einwohner).

1997

Die Stadt- und Kreisbibliothek, die seit 1994 den Namen  „Uwe Johnson" führt, zieht aus einem Saal der ehemaligen „Pädagogischen Hochschule“ und jetzigen  „Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege“ in das Haus  "Am Wall" 2 ein.

1998

Aus Anlass des 60. Todestages wird ein Ausstellungsforum neben dem Atelierhaus Ernst Barlachs eröffnet.

1999

Das neue Krankenhaus in Güstrow wird als moderne Einrichtung an der nördlichen Stadtgrenze errichtet.

2000

Das Erlebnisbad „Oase" wird nach dreijähriger Bauzeit am 11. August eröffnet.

2001

im Januar wird das neue Kreishaus Am Wall 3-5 seiner Bestimmung übergeben. Bis auf das Verkehrsamt, das weiterhin im Parumer Weg seinen Sitz hat, sind die übrigen bislang auf das Stadtgebiet verteilten Ämter nun dort untergebracht. Bis zur Fertigstellung des Kreishauses war das Sozialamt im ehemaligen Gebäude der „Stasi“ in der Neukrugerstraße 2  untergebracht. Das Gesundheitsamt war teilweise in dem Gebäude der Poliklinik in der Südstadt und im dem  Gebäude auf dem Franz-Parr-Platz 6 tätig. Das Bauamt nutzte die Räume in der früheren „TBC- Beratungsstelle" in der Rostocker Straße und das Jugendamt hatte seine Wirkungsstätte in der Baracke des ehemaligen VEB Kraftverkehrs in der Dr.-Külz-Straße.

2002

Das Rathaus wird nach seiner Renovierung wieder genutzt. Die Stadtverwaltung war vorübergehend im jetztigen Museums-und Archivgebäude auf dem Franz-Parr-Platz untergebracht.

2003

Güstrow feiert das 775. Stadtjubiläum

 

 

Zur WEB-Site unserer Vaterstadt der Barlachstadt Güstrow